Wie geht Voicecoaching in Zeiten von Corona?

Nun, das wird jeder Stimmtrainer vermutlich etwas anders beantworten.

Ich unterrichte meine Schüler seit dem Corona-Lockdown, online! Dabei benutze ich das Programm „Zoom“.
Es ist einfach zu erlernen- und zu bedienen.

Nachdem ein gemeinsamer Termin gefunden wurde, sende ich dem Schüler einen gesicherten Link, der es ermöglicht, die Unterrichtsstunde online zu starten. Kurz nach Bestätigung der Anfrage öffnet sich eine „audiovisuelle“ Verbindung ...

…der Unterricht kann beginnen.

Normalerweise arbeite ich mit dem Schüler in einem Raum, wo wir durch die körperliche Wahrnehmung (z.B. fühlen der Vibration des Brustkorbes). Gerade für Anfänger ist dies sehr wichtig, denn ihre Körperwahrnehmung und Beobachtungsgabe ist noch nicht so trainiert.

Dafür ist es sinnvoll, einen persönlichen Termin auszumachen. Im Rahmen der Abstandsregel wähle ich für das erste Treffen einen weitläufigen Ort wie den Garten oder einen größeren Raum. Somit steht einem persönlichen Kennenlernen nichts im Weg.

Dieser Termin hat grundsätzlich keine festgelegte Länge. Wir unterhalten uns erst mal über die Erfahrungen, Probleme und Wünsche, die der Schüler mit der Stimme hat. Er kann mir etwas vorsingen oder vorsprechen.

Wenn er nichts vorbereitet hat oder nicht sicher singen kann, nehmen wir irgend ein Kirchen-, Volks- oder Kinderlied (zur Not auch ohne Text). Bei Sprecher oder Schauspieler wird z.B. eine Nachrichtenmeldung vorgelesen, ein Gedicht zitiert oder eine Szene aus einem Schauspiel vorgetragen.

Von der „Königin der Nacht“ über „Die Blechtrommel“, bis zu „Alle meine Entchen“ ist alles erlaubt, Hauptsache ich höre die Stimme in ihrem Normalgebrauch.

Je nachdem wie erfahren und selbstsicher der Proband ist, erarbeite ich mit ihm verschiedene Techniken und Übungen.

Bei absoluten Anfängern wähle ich z.B. die richtige Haltung im Sitzen / Stehen oder den Unterschied zwischen Hoch- und Bauchatmung.

Bei Profis probieren wir verschiedene Variationen der Stimmführung aus.

Meistens kann ich nach ein oder zwei Terminen erkennen, wo die Probleme des Schülers liegen und welchem Lerntyp er entspricht. (optisch, akustisch, taktil, kognitiv oder imitatorisch).

Leider übertragen alle Konferenz-Programme nur einen Teil der für den Menschen hörbaren Frequenzen. Das bedeutet, dass der Schüler das Erlernen der Übungen visuell zwar nachvollziehen und imitieren kann, doch über den akustischen und taktilen Kanal zu wenige Wahrnehmungen bekommt.

Wäre der Schüler mit mir in einem Raum, könnte er meinen Gesang oder meine Stimme in seinem Ohr spüren. Auch die Resonanz meiner Stimme würde auf seiner Haut und seinen Knochen spürbare Vibrationen erzeugen.

Mit Hilfe dieser Wahrnehmung könnte er versuchen, dieselben Effekte mit seiner Stimme bei sich zu erzeugen.

Online fällt diese Wahrnehmung weg. Hier kommt die Tonanalysesoftware „VoceVista Video Pro“ zum Einsatz. Diese Software ermöglicht, alle Klänge im Raum in Form von Frequenzlinien darzustellen.

Stimmklänge die eine solche Intensität (Fokussierung) erreichen, dass sie Haut und Knochen zum Vibrieren bringen, erzeugen in diesen Darstellungen absolut einzigartige Muster, die der Schüler schnell zu erkennen lernt.

Über Zoom trainiere ich mit meinen Schülern zunächst einige Grundtechniken wie, Haltung, Atmung, Stützkraft, Stimmfokussierung, Kieferlockerung sowie die dazu gehörenden Übungen zur Lockerung und Muskelaufbau.

Verschiedene aufeinander aufbauende Stimmübungen ergänzen das Trainings-Programm. Nach einiger Zeit gehen wir dazu über, nach einem „Einsing-Programm“ einfache Lieder mit den erarbeiteten Techniken zu trainieren.

Mit professionellen Sängern arbeite ich natürlich anders. Je nach Ausbildungsstand begleite und unterstütze ich sie in Ihrer Stimmbildung und suche nach Schwachstellen in ihrer Technik, um korrektiv Alternativen mit ihnen zu trainieren.

Auch helfe ich bei Konzertvorbereitungen und erarbeite gemeinsam mit den Künstlern weitere Techniken, die eine größere Bandbreite an Klängen und Singstilen ermöglichen. Es wird natürlich darauf geachtet, dass Verunsicherungen im Rahmen der Bühnenarbeit vermieden werden.

Die Arbeit mit Schauspielern oder Sprechern hat naturgemäß ganz andere Schwerpunkte. Hier geht es nicht darum eine bestimmte Stimm- bzw. Sprechtechnik im Ganzen zu erlernen, sondern die persönliche Sprechweise auf Gewohnheiten oder Fehler, die bei der beruflichen Stimm-Arbeit meistens zu Problemen führen, zu überprüfen.

So denken zum Beispiel, einige Radio oder TV-Sprecher, dass sie seriöser wirken, wenn sie besonders tief sprechen. Dieses führt aber oft zu Verkrampfungen und Überlastungs- Erscheinungen.

Viele Politiker werden von Personal-Coachs perfekt in Haltung, Mimik und Gestik geschult. Doch die Art wie sie sprechen, verrät häufig viel mehr von der Person, als sie sich bewusst sind.

Auch Interviews können ungeheuer aufschlussreich sein, wenn man sie einmal mit abgedrehten Ton ansieht, einmal mit geschlossenen Augen anhört, und zu guter Letzt das Interview in Gänze wahrnimmt. Sofort wird erkennbar, ob die Bewegungen und die Worte vom Gefühl (dem Atem) getragen werden, oder nur einstudiert sind. Denn dann wäre das Timing von Atmung, Gestik und Sprache unterschiedlich.

Etwas stimmt nicht! - und dass, im wahrsten Sinne dieses Wortes.

Das Ziel meiner Arbeit liegt in der Authentizität und ist nicht einem Schüler beizubringen, mit Stimme und Körpersprache perfekt zu lügen.

Ihre Cordula Maria Ledwoch
Dipl. Gesanglehrerin /Sopranistin

Voicecoaching mit Tonanalyse-Software (VoceVista Video Pro)

In meinem Online-Unterricht arbeite ich auf zwei 27“ Monitoren. Auf dem linken Monitor läuft „Zoom“ wo Schüler und Lehrer in der Galerie-Ansicht angezeigt werden.

Auf dem rechten Monitor läuft „VoceVista Video Pro“, eine speziell für die Analyse von Stimmklängen, insbesondere Stimmen der Obertontechnik entwickelte Software, der Firma Sygyt-Software.

Ein erstes Kennenlernen dieser Software fand 2008 bei einem Oberton-Workshop statt. Der Entwickler von Sygyt-Software, benutzte dieses Programm damals zum Mitschneiden eines Overton-Unterrichts.

Zum damaligen Zeitpunkt wurde die Applikation noch „OvertonAnalyser“ genannt, sie nimmt alle Klänge im Raum auf und stellt sie gleichzeitig in Echtzeit als Frequenzbild dar.

Dies faszinierte mich, konnte man doch in einem Frequenzbild sehen, ob der Sänger den Ton trifft, den Rhythmus hält, an den richtigen Stellen atmet, oder auch den Text richtig singt.

Mit ein wenig Übung könnte man auch den Unterschied von Bauchatmung und Hochatmung, oder ob ein Sänger die Luft ökonomisch einteilt und sein Vibrato steuert, klar erkennen. Demnach wäre es möglich, die Oberton-Zusammensetzung eines Vokals zu definieren und Konsonanten präzise aufzuteilen.

Vorteil: Man kann diese Analysedarstellung gleichzeitig hören und sehen!

Von Natur aus habe ich ein etwas größeren Hörumfang. Wobei sich bei mir durch jahrelanges Musizieren und Unterrichten ein sehr feines Unterscheidungsvermögen entwickelt hat.

Ich hatte beim Unterrichten immer das Problem, dass viele Menschen das, was ich hören konnte, gar nicht wahrnahmen. Bei der Erziehung und Bildung unserer Kinder werden überwiegend visuelle Medien, wie Computer, Bücher oder Filme benutzt. Eine vergleichbare Bildung des Gehörs findet nicht statt.

Deshalb haben die meisten Menschen weit besser geschulte Augen als Ohren. Dabei ist unser Gehör bei entsprechendem Training extrem leistungsfähig.

Viele Schüler kommen mit der festen Überzeugung zur ersten Stunde, dass sie keine Begabung haben, nach dem Motto: „Ich konnte noch nie singen, aber versuchen Sie‘s mal.“

Wenn ich einen solchen Sänger dann nach einer Klangverbesserung lobte und er sie nicht hören konnte, wurde er unsicher und sein Vertrauen zu mir schwand. Vielleicht dachte er auch, ich wollte ihn nur bei der Stange halten. Manchmal dauert es ein halbes Jahr, bis ein Neuling die Verbesserungen selbst hört. Doch einige verlieren vorher den Mut und geben auf.

Die VoceVista-Software war für mich DIE perfekte Lösung für dieses Problem!
In den Grundfunktionen ist sie so simpel wie ein Kassetten-Recorder. Sie lässt sich sehr individuell in Darstellung, Auflösung und Farbe, mit verschiedenen Filtern und Orientierungsrastern, die man dazu schalten kann, einrichten.

Dadurch kann man aus derselben Tonaufnahme eine Vielzahl von Informationen entnehmen. Nach einer kurzen Einweisung kam ich gut damit klar. Es funktionierte von Anfang an. Nun hatte ich eine Möglichkeit gefunden, meine Wahrnehmungen zu beweisen!

Es ist möglich z.B. dem Schüler exakt die Abschnitte einer Aufnahme, wo er besonders richtig oder besonders falsch gesungen hat, zu markieren und diese ihm dann als Dauerschleife vorspielen. Das funktioniert sogar mit Aufnahmen aus unterschiedlichen Jahren.

Dabei markiert ein Cursor immer die Stelle, die erklingt. Durch diesen „Vorher-Nachher – Effekt“ erkennt das Ohr irgendwann im Klang den Unterschied, den das Auge schon sehen kann.

Ich arbeite jetzt seit über 12 Jahren mit dieser Software (bzw. den Folge-Versionen). Inzwischen kann ich die Frequenzbilder lesen wie Buchstaben oder Noten. Meine Schüler lernen diese Fähigkeit ebenfalls sehr schnell, wenn auch nicht ganz so genau. Heute braucht es bei einem neuen Schüler bis zum Moment des Vertrauens nur wenige Unterrichtsstunden.

Ihre Cordula Maria Ledwoch
Dipl. Gesanglehrerin /Sopranistin

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